Die Zahl der antisemitisch motivierten Vorfälle in Deutschland bleibt auf einem hohen Niveau: Im letzten dokumentierten Medienstellen insgesamt 8.725 Fälle. Das sind neun mehr als 2024. Heruntergerechnet sind das pro Tag knapp 24 Fälle. Das geht aus dem Jahresbericht des Bundesverbandes der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) hervor.
Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, sagte: „Das sind keine statistischen Ausreißer, es ist die bedrückende Realität in Deutschland.“ Deutschland erlebe „eine Verfestigung des Antisemitismus auf Rekordniveau“. Auch Felix Klein, der Beauftragte der Bundesregierung gegen Antisemitismus, warnte und sagte: „Antisemitismus ist in Deutschland scheinbar ungebremst auf dem Vormarsch.„
Laut Rias sind vier Fälle von extremer Gewalt dokumentiert worden. So unter anderem auch ein terroristischer Anschlag am Denkmal für die ermordeten Juden in Berlin. Demnach wurde dabei ein Tourist mit einem Messer schwer verletzt. In 178 weiteren Fällen seien Betroffene körperlich angegriffen worden. Neben Massenzuschriften (103), Bedrohungen (257) und Sachbeschädigungen (413) ordnet Rias die meisten Fälle, das sind 7.770 Fälle, der Kategorie „verletzendes Verhalten“ zu, darunter Beleidigungen und Schmierereien.
Rias hat auch Äußerungen und Vorkommnisse, die keine Straftaten sind. Vielfach treffe Antisemitismus Jüdinnen und Juden an alltäglichen Orten. Die meisten Fälle seien auf offener Straße geschehen (3.506). Danach folgten das Internet mit 2.314 Fällen, aber auch in Universitäten, Bussen und Bahnen, an Gedenkorten und Synagogen habe es Fälle gegeben.
Der Bericht geht davon aus, dass die Zahlen in den vergangenen Jahren, besonders nach dem Terroranschlag der radikal-islamischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, gestiegen sind. Die Entwicklung des Kriegs im Nahen Osten diente vielen Menschen als Anlass, sich antisemitisch zu äußern oder Juden anzugreifen, heißt es in dem Rias-Bericht. Im Vergleich: Im Jahr 2023 lag die Zahl der antisemitischen Vorfälle laut dem Bericht bei 4.886, im Jahr 2022 lag sie noch bei 2.610.
Quelle: ARD



