Die sogenannten Wirtschaftsweisen haben ihre Konjunkturprognose für Deutschland deutlich nach unten korrigiert. Grund dafür sind vor allem die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs und die dadurch stark gestiegenen Energiepreise. Für das laufende Jahr rechnen die Experten nur noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,5 Prozent. Im kommenden Jahr soll die Wirtschaft um 0,8 Prozent wachsen. Noch im November waren die Wirtschaftsweisen von einem deutlich stärkeren Wachstum ausgegangen.
Nach Einschätzung der Experten belasten die höheren Preise für Öl und Gas sowohl Verbraucher als auch Unternehmen. Die Inflation dürfte in diesem Jahr auf etwa 3 Prozent steigen und im nächsten Jahr nur leicht zurückgehen. Dadurch sinkt die Kaufkraft vieler Haushalte, weil mehr Geld für Energie und alltägliche Ausgaben benötigt wird. Gleichzeitig leiden Unternehmen unter höheren Produktionskosten, was die Industrieproduktion und Investitionen weiter schwächt. Positive Impulse erwarten die Wirtschaftsweisen dagegen von den geplanten staatlichen Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gutachtens ist die Entwicklung der Sozialversicherungen. Die Experten warnen davor, dass die alternde Bevölkerung die Systeme immer stärker belastet. Da die Ausgaben schneller steigen als die Einnahmen, könnten die Sozialversicherungsbeiträge bis zum Jahr 2040 auf fast 50 Prozent ansteigen. Das hätte Folgen für die gesamte Wirtschaft: Unternehmen müssten höhere Arbeitskosten tragen und Arbeitnehmer hätten weniger Netto vom Brutto, wodurch auch der private Konsum sinken würde.
Die Vorsitzende des Sachverständigenrates, Monika Schnitzer, fordert deshalb Reformen, um die Ausgaben zu begrenzen und gleichzeitig die Finanzierung der Sozialversicherungen langfristig zu sichern. Nach Berechnungen der Experten könnte der steigende Beitragssatz das Bruttoinlandsprodukt bis 2035 um bis zu 0,9 Prozent verringern. Besonders jüngere Generationen müssten künftig einen deutlich größeren Teil ihres Einkommens für Sozialabgaben aufbringen.
Um gegenzusteuern, schlagen die Wirtschaftsweisen Einsparungen vor allem im Gesundheits- und Pflegesystem vor. Unter anderem sollen die Ausgaben für Krankenhäuser und Arzneimittel gesenkt sowie Prävention stärker gefördert werden. Zudem empfehlen sie Reformen bei der gesetzlichen Krankenversicherung und der Pflegeversicherung, um die Finanzierung langfristig stabiler zu machen.
Quelle: ARD



