In Heidenau in Sachsen sollen keine Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus mehr verlegt werden. Ein Antrag der AfD und der CDU wurde gestern Abend (24.09.) mehrheitlich beschlossen, wie die Stadtverwaltung der dpa bestätigte. Es habe 13 Stimmen dafür gegeben, sechs waren dagegen und eine enthielt sich.
In dem fraktionsübergreifenden Beschlussantrag gemeinsam mit dem „Bündnis Oberelbe für mehr Demokratie“ forderten die Vertreter der beiden Parteien, Stolpersteine „im öffentlichen Straßen- und Gehwegbereich“ in Zukunft abzulehnen.
Viele Bürger, Angehörige und Initiativen würden diese Form der Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus als nicht angemessen empfinden, hieß es in dem Antrag. Stattdessen soll das Gedenken vorzugsweise auf dem Nordfriedhof der Stadt stattfinden, so „dass ein direktes Betreten der Gedenkelemente ausgeschlossen ist„.
Die Stadtverwaltung hatte vorher empfohlen, die Vorlage abzulehnen. In einer Bewertung des Antrags schrieb die Verwaltung: „Das Gedenken sollte auch künftig sichtbar und wahrnehmbar im öffentlichen Raum stattfinden.„
In Heidenau gibt es schon Stolpersteine an zwei Standorten, unter anderem zur Erinnerung an den früheren Heidenauer Bürgermeister Paul Gröger. Schon im letzten Jahr hatte das Alternative Kultur- und Bildungszentrum Sächsische Schweiz mit Sitz in Pirna die Verlegungen weiterer Stolpersteine beantragt.
Der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz-Komitees, Christoph Heubner, sagte laut einer Mitteilung: „Dies ist ein durchsichtiger und schäbiger Versuch, Heidenauer Opfer der Nazis erneut aus der Stadt hinauszuwerfen und sie dahin zu entsorgen, wohin das Gedenken nach Meinung der AfD schon längst gehört: auf den Friedhof.“ Dass CDU‑Abgeordnete der AfD „zu solchen Schäbigkeiten die Hand reichen„, sei ein Skandal.
Die Erinnerungsform der Stolpersteine gibt es schon seit den 1990er Jahren. Die in der Regel spendenfinanzierten Pflastersteine mit dem Namen der Opfer des Nationalsozialismus werden am letzten bekannten Wohn- oder Wirkungsort der Opfer verlegt.
Quelle: ZDF, dpa



