In Deutschland ist die Zahl der erteilten Baugenehmigungen im August wieder stärker angestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurden 20.600 neue Wohnungen genehmigt. Das sind 6,8 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

Der allgemeine Aufwärtstrend bei den Baugenehmigungen ist im Juli noch etwas abgeflacht gewesen, zog aber dann wieder an. In den ersten acht Monaten betrug das Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum 12,1 Prozent. Bei Mehrfamilienhäusern haben die Aufsichtsbehörden den Angaben nach bis einschließlich August 90.600 Neubauwohnungen genehmigt, 14,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Zudem wurden 31.500 neue Einfamilienhäuser (+ 3,8 Prozent) und 10.000 Wohnungen in Zweifamilienhäusern (+ 21,7 Prozent) genehmigt.

Doch das aktuelle Wachstum muss man in einem historischen Kontext betrachten. Felix Pakleppa, der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, gibt da zu bedenken. Er sagte: „Von Januar bis August wurden 169.400 Wohnungen genehmigt. Das klingt nach viel, ist aber noch immer rund ein Drittel weniger als 2021, als im selben Zeitraum über 250.000 Wohnungen genehmigt wurden. Wir erholen uns von einem historischen Tiefpunkt, von einem normalen Niveau sind wir noch weit entfernt.“ Eine Baugenehmigung sei noch lange keine gebaute Wohnung, erklärte er. „Ende 2025 lagen rund 450.000 genehmigte Wohnungen auf Eis, weil sich der Bau für viele nicht rechnete.„

Trotz der steigenden Genehmigungen hat sich die Stimmung im deutschen Wohnungsbau im September wegen der steigenden Zinsen. Das Barometer für das Geschäftsklima ist im August von minus 25,1 auf 22,5 Punkte gefallen, wie das Münchener Ifo-Institut in seiner Umfrage mitteilte. Besonders die Geschäftsaussichten für die nächsten Monate wurden von Unternehmen skeptischer gesehen. Ihre aktuelle Lage bewerteten sie weitgehend gleich. „Die Zinserhöhung der EZB dürfte die Zuversicht im Wohnungsbau gedämpft haben„, sagte der Umfragechef der Ifo, Klaus Wohlrabe. „Die Aussicht auf wieder höhere Finanzierungskosten belastet die Branche.„

In Deutschland fehlen geschätzt rund eine Million Wohnungen. Im letzten Jahr wurden so wenige Wohnungen wie seit 2022 fertiggestellt. Es waren damals 206.600 oder 18 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Bundesregierung will mit einem „Bau-Turbo“ über schnellere Genehmigungen den Wohnungsbau voranbringen. Zuletzt stockte das Bundesbauministerium die Förderung für den Neubau von energieeffizienten Häusern mit dem Standard EH 55 auf.

Aber der Branche reiche das nicht. „Ausgerechnet jetzt den Neubau-Etat um über 40 Prozent einkürzen zu wollen, wie es die Bundesregierung für 2027 vorsieht, ist das schlechtestmögliche Signal. Bauwillige und Investoren brauchen Planungssicherheit, nicht die nächste Kehrtwende. Nur dann wird aus dem Aufwärtstrend auf dem Papier auch ein Aufschwung am Markt„, sagte Pakleppa.

Quelle: ARD

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Waldemar
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