Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr stark angehoben: Sie erwarten eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,3 Prozent, wie sie in ihrer gemeinsamen Herbstprognose erklären. Die Erholung der deutschen Wirtschaft fiele damit stärker aus als noch im Frühjahr erwartet. Damals lag die Prognose bei 0,6 Prozent.
Die Institute erklärten, dass vor allem die starken Exporte und die Wertschöpfung im verarbeitenden Gewerbe „überraschend stark“ zulegten. Impulse seien von der robusten Weltkonjunktur und dem weltweiten Boom rund um Künstliche Intelligenz (KI) gekommen. Auch hätten Wettbewerber aus der Golfregion wegen des Iran-Kriegs erhebliche Produktionsprobleme gehabt. Der mit dem Iran-Krieg verbundene Energiepreisschock habe die deutsche Wirtschaft zwar gebremst, die höheren Preise für Kraftstoffe und Heizöl hätten sich bislang aber kaum auf die übrigen Verbraucherpreise ausgewirkt, heißt es weiter.
Für das nächste Jahr erwarten die Institute statt 0,9 Prozent nun ein Plus von 1,1 Prozent, für 2028 aber nur dann noch eine Zunahme des BIP von 0,4 Prozent. Dann „verliert die Expansion an Tempo„, heißt es.
Mit Blick auf die jüngsten Wahlen in Deutschland warnen die Wirtschaftsforscher darüber hinaus vor einer „in Teilen stärker populistisch geprägten Politik„, die die Attraktivität des Standorts für gut qualifizierte Beschäftigte beeinträchtigen und den Arbeitskräftemangel noch verschärfen könne. Die politische Unsicherheit sei im Zusammenhang mit den jüngsten Wahlen und den Regierungsbildungen noch gestiegen, sagte Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle. Offen sei vor allem, welche Folgen sich daraus für die wirtschaftspolitische Reformagenda ergeben.
Die AfD ist bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern stärkste Kraft geworden. Die im Bund regierenden CDU und SPD haben bei beiden Wahlen richtig eingebüßt. In der SPD wird der Reformkurs der Bundesregierung zunehmend infrage gestellt.
Quelle: ARD



