Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen in Deutschland ist in den ersten sechs Monaten dieses Jahres so stark angestiegen wie seit 10 Jahren nicht mehr. Sie nahm um 15,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, teilte das Statistische Bundesamt mit. Demnach wurden seit Beginn dieses Jahres rund 126.300 Baugenehmigungen erteilt.
Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) sagte der Nachrichtenagentur Reuters: „Der Wohnungsbau kommt zurück.“ Doch die Experten relativieren diese Einschätzung. Denn trotz steigender Genehmigungen sei am Ende nicht mehr mit fertiggestellten Wohnungen zu rechnen.
Auch das Statistische Bundesamt betonte, dass der starke Anstieg vor dem Hintergrund des niedrigen Niveaus in den Jahren 2024 und 2025 zu sehen sei. Höhere Zinsen und Materialkosten hatten in den letzten Jahren viele Bauherren abgeschreckt.
In den neu zu errichtenden Gebäuden wurden im ersten Halbjahr insgesamt 103.100 Wohnungen genehmigt. Das waren 15,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dabei stieg die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser um 12,7 Prozent auf 24.000. Bei den Zweifamilienhäusern nahm die Zahl um 27,3 Prozent auf 7.700 zu. In Mehrfamilienhäusern, der zahlenmäßig stärksten Gebäudeart, genehmigten die Bauaufsichtsbehörden 67.000 Neubauwohnungen. Das war ein Anstieg um 16,9 Prozent.
Der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, Felix Pakleppa, sagte dem ZDF, er sehe hier keine Trendwende. „Das ist ein Hoffnungsschimmer, aber noch kein Durchbruch„, sagte er. Denn zu viele Projekte würden wieder storniert: „Eine Baugenehmigung ist noch keine gebaute Wohnung. Wenn die Finanzierung danach nicht mehr aufgeht, wird der Auftrag storniert.“ Der Anteil der hiervon betroffenen Wohnungsbauten erhöhte sich im Juli auf 13,1 Prozent, nach 11,4 Prozent im Vormonat, teilte das Ifo-Institut in München mit. „Die Auftragslage entwickelt sich langsam in die richtige Richtung, gleichzeitig werden wieder mehr Projekte storniert„, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe dem ZDF. „Das zeigt, wie fragil die Erholung im Wohnungsbau weiterhin ist.„
Prognosen des Ifo-Instituts zufolge werden in diesem Jahr nur 185.000 Wohnungen fertiggestellt. Das ist ein 15-Jahres-Tief. Im vergangenen Jahr waren es noch 206.600 Einheiten. Der Bedarf liegt aber bei mindestens 300.000 Wohnungen jedes Jahr. Die frühere Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP hatte sich 400.000 Wohnungen jedes Jahr vorgenommen. Aber das Ziel wurde nie erreicht.
Ein Hindernis für viele Investoren sind die Baukosten. Die Bundesregierung will einen Gebäudetyp E schaffen. E steht hier für einfaches Bauen. Mit dem Fokus auf Mindeststandards sollen die Baukosten gedrückt werden.
Quelle: ZDF, Reuters



