Die Zahl der Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch ist 2025 wieder angestiegen. Das geht aus einem aktuellen Lagebericht des Bundeskriminalamts (BKA) hervor. Insgesamt sind mehr als 18.000 Fälle von sexuellem Missbrauch erfasst worden. Die Sexualstraftaten finden zunehmend online statt. Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass es eine Dunkelziffer gibt.
Einen Anstieg von 4,7 Prozent verzeichnen dabei die Fälle von sexuellem Missbrauch, die gegen Kinder unter 14 Jahren gerichtet waren. In dem Zusammenhang wurden 17.126 Fälle im letzten Jahr erfasst. Im Vergleich mit 2024 waren dies 772 Fälle mehr. Eine große Mehrheit der Opfer war weiblich und zwischen sechs und 13 Jahren.
Der Anstieg geht insbesondere auf ein vermehrtes Auftreten sogenannter „Hands-off-Straftaten“ zurück, also Delikte, die ohne direkten Körperkontakt über das Internet stattfinden. Die Online-Taten machen mittlerweile mehr als ein Viertel der Fälle aus. Darunter fällt Cybergrooming, also die gezielte Kontaktaufnahme zu Kindern in sozialen Netzwerken, Chats oder Messengerdiensten, um sexuelle Handlungen anzubahnen.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) warb bei der Vorstellung der Zahlen wieder für eine Ausweitung der Ermittlungsbefugnisse im digitalen Raum. Er sagte: „Wir brauchen die IP-Adressenspeicherung, um gegen die Kriminellen vorzugehen.“ Aktuell wird ein entsprechender Gesetzesentwurf im Bundestag diskutiert.
Neben den Fallzahlen von Kindesmissbrauch ist auch die Zahl der Fälle von sexueller Gewalt gegen Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren um vier Prozent gestiegen. Sie liegt nun bei 1.239 Fällen.
Den größten Anstieg hat es laut dem BKA-Bericht bei den sogenannten „jugendpornografischen Inhalten“ gegeben. Die Zahl der erfassten Fälle, bei denen entsprechende Fotos oder Videos hergestellt oder verbreitet wurden, sei im letzten Jahr um 19,9 Prozent angestiegen und liege damit doppelt so hoch wie im Jahr 2021. Nach BKA-Angaben bestehe aber in dem Bereich die Möglichkeit, dass der Anstieg auf ein verändertes Anzeigeverhalten zurückgehen könnte. Präventions- und Informationskampagnen hätten zu einer verstärkten Sensibilisierung geführt. Zudem würden Jugendliche ihre sexuelle Identität zunehmend online erkunden und damit vermutlich auch häufiger jugendpornografische Inhalte herstellen oder versenden. Über die Hälfte der Tatverdächtigen in dem Bereich ist selbst minderjährig.
Erneut rückläufig sind die Straftaten im Zusammenhang mit sexueller Ausbeutung Minderjähriger. Darunter fallen zum Beispiel Menschenhandel und Zwangsprostitution. 357 Fälle haben die Ermittlungsbehörden registriert im letzten Jahr, 5,3 Prozent weniger als noch im Jahr 2024.
Entscheidend für die Verfolgung von Sexualstraftaten gegen Kinder und Jugendliche sei derzeit die Zusammenarbeit mit der US-amerikanischen Zentralstelle NCMEC, sagt der Präsident des BKA, Holger Münch. Über 100.000 strafrechtlich relevante Hinweise habe man insgesamt im letzten Jahr von dort bekommen.
Quelle: ZDF



