Bundeskanzler Friedrich Merz ist am Sonntagmorgen (04.10.) überraschend in der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw eingetroffen. Mit ihm sind auch die Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und eine Wirtschaftsdelegation mitgereist. Während des Besuchs wurde nach Angaben des Bürgermeisters von Kyjiw, Vitali Klitschko, wieder eine Brücke in der Hauptstadt angegriffen. Es hat am Morgen Drohnenalarm gegeben. Trümmer eines abgeschossenen Flugobjekts seien auf das Dach eines Wohnhauses gefallen.
Wegen der verstärkten Luftangriffe von Russland auf Eisenbahnen und Städte in der Ukraine findet die Reise des Bundeskanzlers und seiner Delegation unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt.
Auf seiner eintägigen Reise will der Kanzler seine Unterstützung für die Ukraine vor dem erwartbar sehr harten fünften Kriegswinter demonstrieren. „Ich werde Präsident Selenskyj heute sagen: ‚Auf unsere Hilfe könnt Ihr weiter zählen.‘ Unsere Partnerschaft ist keine Einbahnstraße. Deutsche und ukrainische Unternehmen entwickeln gemeinsam Technologien, von denen beide Länder profitieren„, sagte Kanzler Merz. Bereits im Bundeshaushalt bewilligte Mittel in Höhe von einer Milliarde Euro werden jetzt in militärische Hilfe umgesetzt, hieß es aus Regierungskreisen.
Dazu gehören auch Drohnen der deutschen Firma Quantum Systems, die russische jetbetriebene Drohnen vom Typ Geran abschießen können. Letzte Woche hatten Geran-Drohnen auch die Süd- und die Nordbrücke Kyjiw beschädigt. Die Ukrainer hoffen, mit den Lieferungen aus Deutschland eine Lücke in ihrer Luftverteidigung zu schließen. Die Drohnen von Quantum sind schon in Produktion und sollen in den nächsten Wochen und Monaten in fünfstelliger Stückzahl in die Ukraine geliefert werden. Auch sogenannte Abstandswaffen mit einer Reichweite von mehr als 1.000 Kilometern, die Abschussstellungen im russischen Inland zerstören können, sind in dem Paket enthalten.
Kanzler Merz sagte bei seiner Ankunft in der ukrainischen Hauptstadt: „Wenn Russland nicht gestoppt wird, richtet sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später auch gegen uns.“ Weitere 350 Millionen Euro aus dem Etat des Außenministeriums und des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit sollen helfen, die Stromversorgung aufrechtzuerhalten. Russland bombardiert momentan gezielt Kraftwerke, Umspannwerke und Tankstellen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bedankte sich anlässlich der Reise von Merz auf der Plattform X, ehemals Twitter, für die deutsche Unterstützung. Heute bereite man Entscheidungen vor, um „der Ukraine und ganz Europa größere Möglichkeiten zur eigenen Verteidigung“ zu geben, schrieb Selenskyj. Er kündigte zudem an, dass es „wichtige Vereinbarungen zwischen der Ukraine und Deutschland“ geben werde. Er forderte, dass Russland gestoppt werden muss.
Quelle: ZDF, dpa, Reuters, AFP



