Der Impfstoffhersteller Biontech hat angekündigt, dass zahlreiche Produktionsstandorte geschlossen werden. Das Unternehmen aus Mainz begründet dies mit einer zu geringen Auslastung, Überkapazitäten und Kosteneinsparungen. Betroffen sind die Produktionsstandorte Idar-Oberstein, Marburg und Singapur sowie Standorte vom übernommenen Konkurrenten Curevac.
Insgesamt sind bis 1. 860 Stellen von diesen Maßnahmen betroffen, teilte das Management mit. Geplant ist, dass die Standorte Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen bis Ende 2027 geschlossen werden. Der Betrieb in Singapur soll wohl im 1. Quartal 2027 eingestellt werden. Geplant sei ein partieller oder kompletter Verkauf.
Das Unternehmen rechnet nach vollständiger Umsetzung der Maßnahmen im Jahr 2029 mit wiederkehrenden jährlichen Einsparungen von bis zu rund 500 Millionen Euro. Die Mittel sollen für die Forschung, Entwicklung und Markteinführung von Medikamenten gegen Krebs eingesetzt werden.
Im 1. Quartal 2026 verbuchte Biontech einen zurückgehenden Umsatz. Die Erlöse lagen bei 118,1 Millionen Euro nach 182,8 Millionen Euro in den ersten drei Monaten des vergangenen Jahres. Der Rückgang sei vor allem auf niedrige Umsätze mit den Corona-Impfstoffen zurückzuführen. Der Nettoverlust stieg an und betrug den Angaben zufolge 531,9 Millionen Euro. Im 1. Quartal 2025 lag dieser noch bei 415,8 Millionen Euro. Als Grund für die Entwicklung nannte Biontech die höheren Kosten für die Entwicklung von Programmen für die Immunonkologie.
Wegen der hohen Entwicklungskosten hatte Biontech schon das Vorjahr mit einem Milliardenverlust abgeschlossen. Für dieses Jahr rechnet man sowohl auf dem europäischen als auch auf dem US-amerikanischen Markt mit geringeren Umsätzen aus dem Geschäft der Corona-Impfstoffe. Für die Impfsaison 2026/27 werde die Entwicklung eines an Varianten angepassten Corona-Impfstoffs vorbereitet.
Für dieses Jahr erwartet das Unternehmen, dessen Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci spätestens Ende dieses Jahres ausscheiden werden, Erlöse zwischen 2,0 Milliarden und 2,3 Milliarden Euro.
Derzeit entwickelt Biontech Medikamente auf mRNA-Basis gegen Krebs und andere Krankheiten. Jüngst wurde das Biotechnologieunternehmen Curevac mit Sitz in Tübingen übernommen.
Quelle: ZDF, dpa, Reuters



