Die Grammy-Verleihung war in diesem Jahr besonders politisch. Seit der zweiten Amtsübernahme von Donald Trump als US-Präsident wurde noch bei keiner live im US-Fernsehen übertragenen Gala so geballt so viel Kritik an seiner Politik geäußert wie bei den Grammys.

US-Rapper Bad Bunny gewann den Preis für das beste Album. „DeBÍ TiRAR MáS FOToS“ ist komplett auf Spanisch und eine Hommage an Bad Bunnys Heimat Puerto Rico. Der 31-Jährige nutzte wie einige andere Stars die Bühne für politischen Protest. Einige Promis trugen eine Anstecknadel mit der Aufschrift „ICE Out“ als Zeichen der Kritik am Vorgehen der US-Einwanderungsbehörden.

Trevor Noah, der durch die Grammys geführt hatte, verteilte Seitenhiebe gegen Trump: „Wenn die Dinge hier weiter schlechter werden, kann ich dann zu dir nach Puerto Rico kommen und da leben?„, fragte er Bad Bunny. „Ich brauche einen Plan B.“ Der Rapper sagte ihm dann aber, dass Puerto Rico ein nicht inkorporiertes Außengebiet der USA ist. Später erklärte Noah, wies diese sechste Moderation der Gala auch seine letzte sei: „Ich glaube an Amtszeitbegrenzungen. Ich möchte ein Beispiel setzen für jeden, der die Show anschaut.“ Dies war eine Anspielung darauf, dass Trump ja immer wieder angedeutet hatte, über seine Amtszeitbegrenzung hinaus US-Präsident zu bleiben. Der Rechtspopulist selbst polterte auf seiner Online-Plattform und hetzte gegen den Musikpreis und beleidigte auch noch den Moderator Noah.

Bad Bunny, der mit bürgerlichem Namen Benito Antonio Martínez Ocasio heißt, gewann auch die Auszeichnung für „Bestes Música Urbana Album„. In seiner Dankesrede übte der 31-Jährige scharfe Kritik an der US-Einwanderungsbehörde ICE: „Bevor ich Gott danke, sage ich: ICE raus!“ Weiter sagte er: „Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere, wir sind keine Außerirdischen, wir sind Menschen, und wir sind Amerikaner.“ Die Gäste im Saal reagierten mit Standing Ovations, Jubel und langem Applaus.

Auch Billie Eilish, die den Grammy für den besten Song des Jahres gewann, wurde deutlich. „So dankbar ich auch bin, ich habe ehrlich gesagt nicht das Bedürfnis, etwas anderes zu sagen als: Niemand ist illegal auf gestohlenem Land„, sagte die 24-Jährige und bekam dafür auch Jubel und Applaus aus dem Publikum. „Es ist wirklich schwer, zu wissen, was man jetzt sagen und tun soll„, führte sie fort. „Ich bin voller Hoffnung in diesem Raum und habe das Gefühl, dass wir einfach weiterkämpfen, unsere Stimme erheben und protestieren müssen. Unsere Stimmen sind wirklich wichtig, und die Menschen sind wichtig.

Die britische Sängerin Olivia Dean, die den Grammy als beste Nachwuchskünstlerin gewann, betonte, sie stamme ebenfalls von Einwanderern ab und diese mutigen Menschen müssten gefeiert werden. „Wir sind nichts ohne einander.“ Die Sängerin SZA rief dazu auf, trotz dieser „angstmachenden Zeiten“ nicht in Verzweiflung zu verfallen.

Die Grammys, die zu den begehrtesten Musikpreisen der Welt gehören, wurden in diesem Jahr zum 68. Mal verliehen.

Quelle: ZDF, dpa, AP

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Waldemar
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