Nicht einmal ein Monat ist der ehemalige „Bild“-Journalist Claus Strunz der neue Chef beim europäischen Nachrichtensender Euronews. Doch die Mitarbeiter üben scharfe Kritik an ihrem neuen Chef.
Denn auf der Plattform X kursiert ein Schreiben von Journalistinnen und Journalisten aus dem Newsroom des Senders aus Brüssel, und die machen Strunz teils schwere Vorwürfe. Schon beim ersten Aufeinandertreffen habe man Strunz mitgeteilt, dass man sich über eigene sehr explizite Meinungsäußerungen des Journalisten in den sozialen Netzwerken sorgt. Es heißt, dass die Postings von Strunz nicht den journalistischen Zielen von Euronews entsprechen.
Strunz soll beschwichtigt haben und sagte, dass es persönliche Meinungen gewesen seien und will sich in seinem neuen Job nicht mehr so ganz meinungsstark äußern. Letzte Woche setzte Strunz aber einen Post ab, in dem er die Ampel-Regierung als „schlechteste Regierung in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland[s]“ bezeichnete. Dazu markierte er auch noch zwei Euronews-Kanäle, einer davon hatte den Beitrag repostet.
Die Journalisten schreiben in dem Brief an Strunz: „Nach unserem Verständnis haben Sie das Social-Media-Team gebeten, Ihren persönlichen Beitrag zu retweeten. Außerdem haben Sie sich über die ethischen Einwände hinweggesetzt, die das Team gegen dieses Vorgehen hatte.“ Man sei der Meinung, dass Euronews in diesem persönlichen Posting nicht hätte involviert werden sollen, die Rede ist von einer unzulässigen Vermischung von Meldung und Meinung. Journalisten sollen nicht gegen ihren Willen gezwungen werden, solche Beiträge zu reposten, wenn das ihren ethischen Arbeitsstandards widerspreche. „Dies könnte ein Fall von Einmischung in unsere redaktionelle Linie“, so die Journalisten weiter.
Auch über die Berichterstattung sollen sich die Journalisten von Euronews unzufrieden gezeigt haben. Man hatte sich schon im Vorfeld darauf geeinigt, dass man sich bei den Ergebnissen an die Nachrichtenagentur AP orientiert. Doch man hat Donald Trump früher als Wahlsieger ausgerufen, als es AP getan hat. Wie das Portal „Übermedien“ berichtet, soll Strunz sogar den Sieg des Rechtspopulisten Trump mit einer Champagnerflasche gefeiert haben. Darüber hinaus soll Strunz immer wieder in die Berichterstattung eingegriffen haben. Gegenüber „Übermedien“ spricht ein Euronews-Mitarbeiter davon, dass der Chefredakteur ein „zerstörerischer Faktor“ sei.

Quelle: DWDL, X.com



