Die Europäische Zentralbank (EZB) hat erstmals seit drei Jahren wieder den Leitzins angehoben. Damit will man gegen den Inflationsschub infolge des Iran-Kriegs angehen. Die Euro-Währungshüter haben den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent angehoben. Das hat der Rat der EZB in Frankfurt am Main entschieden.
Im Vorfeld wurde diese Zinsentscheidung von Analysten erwartet. Im Mai hatte die Inflationsrate laut einer ersten Schätzung des EU-Statistikamts Eurostat 3,2 Prozent erreicht. Deutlich mehr als das Zwei-Prozent-Ziel der Zentralbank. Gleichzeitig geht die Notenbank mit Blick auf die Wirtschaft in der Eurozone nun von einer geringeren Wachstumsrate als zuvor aus. Es wird jetzt eine Wachstumsrate von durchschnittlich 0,8 Prozent für 2026 erwartet. Im März hatte man noch mit 0,9 Prozent gerechnet.
Höhere Zinsen verteuern Kredite für Verbraucher und Firmen, was die Nachfrage und so die Inflation dämpfen kann. Sparer profitieren davon, wenn Banken steigende Leitzinsen weiterreichen. Zugleich sind Zinserhöhungen eine Bürde für die ohnehin schwache Konjunktur. Es gab deswegen aus der deutschen Wirtschaft und den Gewerkschaften Kritik an der Zinserhöhung. Dirk Jandura, der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen, sagte, dass sie noch verfrüht sei.
Auch das Gewerkschaftslager hatte von einer Straffung der Geldpolitik abgeraten. „Es gibt keine ökonomische Rechtfertigung für eine Zinserhöhung, denn die Preise steigen nicht durch eine überhitzte Wirtschaft„, sagte Stefan Krözell, der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Quelle: ARD



