Die Verbraucherzentralen warnen bei der geplanten stärkeren Steuerung der Vergabe von Fachärzten vor weiteren Problemen.
Die Chefin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Ramona Pop, sagte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass die von der Bundesregierung dazu vorgeschlagenen Primärarztsystem werde den schwierigen Zugang nicht lösen. „Ohnehin schon überlastete Hausarztpraxen werden zum Nadelöhr. Das ist nicht der richtige Weg„, sagte sie. Sie fordert stattdessen echte Reformen angestoßen werden, um die Versorgung verbessern.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) plant eine gezielte Steuerung, die Patienten eine kürzere Wartezeit für Weiterbehandlung bringen soll. Im Koalitionsvertrag haben CDU/CSU und SPD vereinbart, dass sie ein verbindliches System einführen werden, bei dem Patienten primär in eine Hauspraxis gehen, die sie bei Bedarf, mit einem Termin in einem bestimmten Zeitraum, an Fachärzten überweist. Sollte das nicht in einer Praxis klappen, soll man sich auch von den Fachärzten in Kliniken behandeln lassen können. Dies soll eine „Termingarantie“ darstellen.
„Einen Facharzttermin zu ergattern, kann für gesetzlich Versicherte zu einer Geduldsprobe werden. Wartezeiten von teils mehreren Monaten sind keine Ausnahme„, sagte Pop. Damit es einfacher wird, Termine zu bekommen, sollten die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen ausgebaut werden. Diese sind unter der bundesweiten Nummer 116 117 und auch online erreichbar.
Es müssten aber auch Fehlanreize im ärztlichen Vergütungssystem und Ineffizienz gerade zwischen unterschiedlichen Akteuren im medizinischen Sektor angegangen werden, sagte die Verbandschefin der Verbraucherzentralen. „Sonst droht mit dem Primärarztsystem eine weitere Verschlechterung bei der Suche nach dem passenden Arzttermin: noch längere Wartezeiten und noch mehr Bürokratie„, sagte sie.
Quelle: ZDF, dpa



