Beim Deutschen Buchhandlungspreis sollte es um die Ehrung von inhabergeführten Buchläden gehen. 118 Buchhandlungen hat eine unabhängige Jury dafür als Preisträger ausgewählt. Offiziell vergeben wird dieser Preis vom Kulturstaatsminister Wolfram Weimer.
Doch wie jetzt Anfang dieses Monats herauskam, hat Weimer drei linke Buchhandlungen in Berlin, Göttingen und Bremen von der Nominiertenliste streichen lassen, wegen „verfassungsschutzrelevanter Informationen„. Die aber Weimer zufolge geheim sind, weil seine Behörde den Verfassungsschutz mit einbezogen hat. Die Buchhandlungen wissen also nicht, was ihnen überhaupt vorgeworfen wird.
Nun haben diese drei Buchhandlungen Klage eingereicht, erklärte Jasper Prigge, der den Berliner Buchladen „Buchladen zur schwankenden Weltkugel“ vertritt. Er sagte: „Damit wollen wir feststellen, dass die Datenübermittlung zwischen dem Beauftragten für Kultur und Medien (also Weimer) und dem Bundesamt für Verfassungsschutz rechtswidrig ist.“ Außerdem hat seine Kanzlei gestern (11.03.) eine Pressemitteilung veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass die Behörde von Weimer in der Absage-Mail die Jury vorgeschoben habe. In dem Schreiben hieß es demnach: „Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass Sie von der unabhängigen Jury nicht für eine Auszeichnung ausgewählt wurden.“ Doch die Jury hat die ausgeschlossenen Buchhandlungen nominiert. Nach Angaben mehrerer Medien sagte die Sprecherin des Kulturstaatsministers, dass dies eine standardisierte Absage sei. Aus Gründen des Geheimschutzes habe es in den betreffenden drei Sonderfällen keine andere Handhabe gegeben.
Gegen das Vorgehen des Kulturstaatsministers formiert sich weiter Protest. Buchhändler, Schriftsteller-Vereinigungen und Verbände sind schockiert darüber. Sebastian Guggolz vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels sagte: „Das Vorgehen ist eine Erschütterung der demokratischen Übereinkünfte, die wir bisher hatten. Plötzlich spricht der Verfassungsschutz bei der Vergabe von kulturellen Preisen und Stipendien mit.“ Der Internationale Verlegerverband (IPA) fordert, die Entscheidung zu überprüfen. Drei Buchhandlungen ohne eine detaillierte Begründung auszuschließen, sei eine Enttäuschung für ein Land, das sich stark für Meinungsfreiheit einsetze, sagte IPA-Präsidentin Gvantsa Jobava.
Die Solidarität in der Branche ebbt nicht ab. Viele Preisträger haben beschlossen, den ausgeschlossenen Buchhandlungen einen Teil ihres Preisgeldes zu spenden Das liegt zwischen 7.000 und 25.000 Euro. Der Börsenverein will zudem alternativ zur abgesagten Verleihung auf der Leipziger Buchmesse einen Empfang an seinem Stand organisieren. Der Hanser Verlag hat alle 118 ursprünglich nominierten Buchhandlungen zu einer Party eingeladen.
Quelle: ARD



