Die britische Polizei hat im Rahmen der Ermittlungen zum Epstein-Skandal den ehemaligen Prinzen Andrew Mountbatten-Windsor wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch festgenommen. Das berichteten übereinstimmend britische Medien.

Die BBC zitierte auch die offizielle Mitteilung der Polizei. Dort steht: „Im Rahmen der Ermittlungen haben wir heute einen Mann in den Sechzigern aus Norfolk wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch festgenommen und führen Durchsuchungen an Adressen in Berkshire und Norfolk durch„. Aktuell befinde sich der Mann in Polizeigewahrsam, heißt es demnach weiter. Es soll sich dabei um den ehemaligen Prinzen Andrew handeln.

Der stellvertretende Polizeichef Oliver Wright sagte nach Angaben der BBC: „Nach einer gründlichen Prüfung haben wir nun eine Untersuchung zu diesem Vorwurf des Amtsmissbrauchs eingeleitet. Es ist wichtig, dass wir die Integrität und Objektivität unserer Ermittlungen wahren, während wir gemeinsam mit unseren Partnern diesen mutmaßlichen Straftatbestand untersuchen.“ Man sei sich „des großen öffentlichen Interesses an diesem Fall bewusst“ und werde „zu gegebener Zeit weitere Informationen bereitstellen

Noch am Morgen von der Festnahme hatte sich der britische Premierminister Keir Starmer in einem Interview mit der BBC zum Epstein-Skandal geäußert und gefordert: „Jeder, der Informationen hat, sollte aussagen. Ob Andrew oder jemand anderes – jeder, der relevante Informationen besitzt, sollte sich an die zuständige Stelle wenden.“ Weiter sagte Starmer: „Meiner Ansicht nach hat jeder, der Informationen zu Gewalt gegen Frauen und Mädchen hat, die Pflicht, sich zu melden, wer auch immer er oder sie ist.“ Der Premierminister betonte zudem auch, dass bei der Strafverfolgung keine Unterschiede gemacht werden dürften: „Eines der Grundprinzipien unseres Rechtssystems ist die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz. Niemand steht über dem Gesetz, und es ist von entscheidender Bedeutung, dass dies konsequent umgesetzt wird.“ Kurze Zeit danach rückten die Ermittler bei Andrew an.

Bei den Ermittlungen geht es um Hinweise, dass Andrew in seiner Zeit als britischer Handelsgesandter möglicherweise vertrauliche Berichte an den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein weitergab. In einer in den Epstein-Files enthaltenen E-Mail vom November 2010 hatte Andrew Epstein offenbar nach einer dienstlichen Asienreise Berichte über mehrere von ihm besuchte Länder übermittelt.

Laut einem Bericht der BBC gab Andrew dem US-Finanzinvestor zudem Hinweise zu möglichen Investitionsobjekten, die er auf seiner Reise gesammelt hatte. Britische Handelsgesandte sind laut den offiziellen Richtlinien zur Verschwiegenheit über Informationen verpflichtet, die sie im Zusammenhang mit ihren Reisen erlangt haben.

Quelle: ntv, AFP, BBC