Der Herausgeber und Geschäftsführer der US-Zeitung „Washington Post“, Will Lewis, hat seinen Rücktritt angekündigt. Kommissarisch wird Finanzvorstand Jeff D’Onofrio die Geschäfte übernehmen.
Kürzlich hatte die angeschlagene US-Zeitung angekündigt, rund ein Drittel ihrer Belegschaft zu entlassen In einer E-Mail an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schrieb Lewis, dass „schwierige Entscheidungen getroffen worden seien, um die nachhaltige Zukunft der Washington Post zu sichern„. Weder er noch der Eigentümer der Zeitung, Amazon-Gründer Jeff Bezos, hatten diese Woche an einer Mitarbeiterversammlung teilgenommen, bei der die Entlassungen angekündigt wurden. Unter anderem soll die bekannte Sportredaktion aufgelöst, die Auslands- und Lokalberichterstattung stark zusammengestrichen und Fotojournalisten der Zeitung sollen entlassen werden.
In einer Stellungnahme der „Washington Post“ zum Herausgeberwechsel betonte Bezos, die Zeitung habe eine zentrale journalistische Aufgabe. Daten zeigten dem Unternehmen, worauf es sich konzentrieren solle, erklärt er.
Die Gewerkschaft der „Post“-Mitarbeiter bezeichnete den Rücktritt von Lewis als notwendig. Die Washington-Post-Guild erklärte: „Der Rücktritt von Will Lewis ist längst überfällig.“ Weiter heißt es: „Sein Vermächtnis wird der Versuch sein, eine große amerikanische journalistische Institution zu ruinieren.„
Lewis, der in Großbritannien geboren wurde, war Verleger des „Wall Street Journal“, bevor er im Januar 2024 die Leitung der „Washington Post“ übernahm. Seine Zeit bei der traditionsreichen Zeitung war Beobachtern zufolge von Beginn an holprig und von Entlassungen und einem gescheiterten Umstrukturierungsplan geprägt, der im Juni zum Rücktritt der damaligen Chefredakteurin Sally Buzbee führte. Zudem hat die „Washington Post“ Zehntausende Abonnenten verloren. Hintergrund ist etwa die Anordnung von Bezos, in der Spätphase des Präsidentschaftswahlkampfs in den USA 2024 eine erwartete Wahlempfehlung für die Demokratin Kamala Harris zurückzuziehen Zudem lenkte er die liberalen Meinungsseiten in eine konservative Richtung.
Beim Kauf der Zeitung vor rund 13 Jahren sagte Bezos, dass er sich nicht in die redaktionellen Entscheidungen einmischen wolle.
Quelle: ZDF, AP, Reuters, dpa


