Bei der „Washington Post“ werden zahlreiche Mitarbeiter entlassen. Die seit Jahren kriselnde Tageszeitung hat angekündigt, dass man sich von rund einem Drittel der Belegschaft trennen wird, berichten mehrere US-Medien. Gewerkschafter fürchten bei diesem Kahlschlag um die Glaubwürdigkeit der Zeitung, die Amazon-Gründer Jeff Bezos im Jahr 2013 übernommen hatte.

Der geschäftsführende Chefredakteur Matt Murray sprach in einer Mitteilung an die insgesamt rund 800 Journalisten von einer „schmerzhaften“ Umstrukturierung der Zeitung. Sie ermögliche es, die Zukunft der Zeitung zu sichern. Die genaue Zahl der betroffenen Stellen nannte Murray nicht.

Wie die Nachrichtenagentur AFP erfahren hat, müssen die meisten Auslandskorrespondenten der Zeitung gehen. Unter anderem soll die Berichterstattung über den Nahen Osten drastisch eingeschränkt werden, sagte ein Korrespondent, der nicht namentlich genannt werden wollte. Auch die Lokalnachrichten, die Sportseiten sowie die Buchbeilage seien betroffen, wie aus der Redaktion verlautete. Die hauseigene Gewerkschaft erklärte: „Eine Redaktion kann nicht ausgehöhlt werden, ohne dass dies Konsequenzen für ihre Glaubwürdigkeit, ihre Reichweite und ihre Zukunft hat.“ Auch Lizze Johnson ist betroffen, die für die „Washington Post“ aus der Ukraine berichtet. Sie schrieb auf der Plattform: X: „Ich wurde gerade von der ‚Washington Post‘ mitten in einem Kriegsgebiet entlassen.“ Auch Caroline O’Donovan ist betroffen. Sie berichtete über Bezos‘ Konzern Amazon. Sie schrieb auf: X: „Ich bin raus, zusammen mit vielen der Besten im Business. Schrecklich.

Die „Washington Post“, die über den Watergate-Skandal berichtete und diesen auch aufdeckte und deren Reporter zahlreiche Pulitzer-Preise erhielten, schreibt Medienberichten zufolge jahrelang rote Zahlen. Ein Grund sind Abo-Kündigungen im Zusammenhang mit der Zuwendung von Bezos zu Donald Trump. Nach Trumps erster Amtszeit im Jahr 2017 als US-Präsident gab es das Motto „Demokratie stirbt in der Dunkelheit“ („Democracy Dies in Darkness“).

Unter Bezos hatte die Zeitung schon im US-Präsidentschaftswahlkampf 2024 entgegen ihrer Tradition darauf verzichtet, die demokratische Bewerberin Kamala Harris mit einem Leitartikel zu unterstützen. Im Jahr 2024 sorgte auch eine erste Umstrukturierung der Redaktion für Unruhe. Viele Journalisten wechselten dann zu anderen Medien.

Quelle: ZDF, AFP