Derzeit gibt es viele Krisen auf der Welt. Doch es gibt auch andere Krisen auf dieser Welt, doch diese bleiben unbeachtet. Das zeigt der neue Report der Hilfsorganisation CARE International.
Die großen Krisenherde, insbesondere in Afrika, waren praktisch unsichtbar. Über die Zentralafrikanische Republik etwa erscheinen nur wenige Berichte, obwohl bewaffnete Angriffe, Zerstörungen und geschlossene Schulen dort zum Alltag gehören und mehr als zwei Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen sind. Die schlimmste Dürre in Namibia seit 100 Jahren, die Überschwemmungen in Sambia oder Hunger in Simbabwe: All das spielte in der Berichterstattung keine Rolle.
Diese Notlagen bleiben auch deswegen unter dem Radar, weil sie sich über die Jahre hinzögen, sagt Charlene Ambali von CARE Simbabwe. „Für uns in Afrika sind Krisen meist langanhaltend, schleichend und komplex – nicht plötzlich oder rasant„, sagt Ambali. Deswegen wandere die Aufmerksamkeit oft weiter. Für den Bericht für CARE International wurden rund fünf Millionen Online-Artikel in fünf Sprachen ausgewertet, die weltweit zwischen Januar und September 2025 erschienen sind. Demnach wurde die weltweite Nachrichtenlage im Jahr 2025 von den Kriegen in Gaza und der Ukraine, großen Naturkatastrophen und auch von Donald Trump dominiert.
Der Generalsekretär von CARE Deutschland, Karl-Otto Zentel, sieht den Grund darin im Kontext des Medienmarktes. Er sagte: „Für Deutschland ist der Krieg in der Ukraine wegen der geografischen, politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen viel relevanter.“ Außerdem sei es ein natürliches Phänomen, dass Popkultur-Themen mehr Aufmerksamkeit erzeugen, da sie ein breites Publikum ansprechen könnten.
Der Aufmerksamkeitsmangel hat konkrete Folgen für die Krisenländer. Wo kaum hingeschaut wird, da fehlen oft die Mittel für humanitäre Unterstützung, auch weil dann weniger gespendet wird, erklärte die Geschäftsführerin von CARE Österreich, Andrea Barschdorf-Hager. „2025 waren globale Hilfsaufrufe nur zu einem Drittel finanziert„, bemängelt sie. Wichtige Geldgeber wie die USA, Deutschland oder auch Österreich hätten ihre Finanzhilfen drastisch gekürzt. Das hätte „schwierige Entscheidungen erzwungen – mit realen Konsequenzen für Gesundheit, Ernährungssicherheit, Schutz und Fürsorge, besonders für Frauen und Mädchen.„
Die Hilfsorganisation stellt allerdings in der Berichterstattung auch gegenläufige Trends fest. Zum Beispiel gewinne der konstruktive Journalismus, der Lösungen in den Mittelpunkt stellt, zunehmend an Bedeutung.
Quelle: ARD



