Wegen der schweren Wirtschaftskrise sind im Iran Tausende von Menschen auf die Straßen gegangen. Augenzeugen zufolge rückten Sicherheitskräfte in den iranischen Metropolen mit einem massiven Aufgebot an. In den ländlichen Regionen, wo auch zahlreiche Menschen gegen die Staatsführung demonstriert haben, ist der Staat mit aller Härte gegen die vorgegangen. Hier kam es am Mittwochabend (31.12.) zu schweren Zusammenstößen.
Mindestens zwei Demonstranten wurden in Lordegan im zentralen Süden des Landes getötet, teilte die Menschenrechtsgruppe Hengaw mit. Auch die staatsnahe Nachrichtenagentur Fars meldete zwei Tote bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in der Stadt. Bei einem mutmaßlichen Angriff auf eine Polizeiwache in der Provinz Lorestand sind drei weitere Menschen getötet und 17 verletzt worden, hieß es. Nach Angaben von Aktivisten wurde zudem ein Mann in der Provinz Isfahan erschossen.
In Lordegan hätten Demonstranten Steine auf das Büro des Provinzgouverneurs, das Rathaus, eine Moschee und Banken geschleudert, berichtete die Nachrichtenagentur Fars. Die Gebäude seien schwer beschädigt worden. Die Polizei habe mit dem Einsatz von Tränengas geantwortet und in der Stadt mehrere als „Rädelsführer“ beschriebene Menschen festgenommen.
Wie viele Menschen wirklich im Land an den Protesten teilgenommen haben, ist bisher nicht bekannt. Ausgelöst wurden die Kundgebungen durch einen plötzlichen Einbruch der Devisenkurse am vergangenen Sonntag (28.12.). Spontan sind dann vor allem die Händler in der Hauptstadt Teheran auf die Straße gegangen. Inzwischen erfassen die Proteste auch andere Landesteile und Bevölkerungsschichten. Studierendenverbände, die schon frühere Proteste mitgetragen hatten, reifen zu Demonstrationen auf.
Irans Präsident Massud Peseschkian warnte vor politischer Spaltung und räumte Fehler seiner Regierung ein. Neben Wirtschaftsreformen kündigte er an, Subventionen für Importeure zu streichen, die bislang von einem staatlich geförderten Wechselkurs profitiert hatten. Er betonte, der Gegenwert soll direkt an die Endverbraucher weitergegeben werden.
Quelle: ARD



