Die ARD und das „Bündnis Zukunft Presse“, in dem sich die beiden Verlegerverbände BDZV und MVFP zusammengetan haben, wollen in einer gemeinsamen Erklärung zu einem „offenen Austausch über den gesellschaftlichen und demokratischen Wert von Medien“ einladen. Der Adressat ist hier vor allem die Politik, von der man sich auch einen stärkeren Schutz gegen große Tech-Unternehmen erhofft.
So stellt man zunächst aus eigener Sicht den „unverzichtbaren Beitrag für die freie Gesellschaft“ heraus, den freien Medien leisten, und schreibt dann: „Unabhängige und verlässlich nach journalistischen Standards arbeitende Medien sind keine Selbstverständlichkeit. Ihre Existenz setzt faire Rahmenbedingungen voraus.“ Dazu gehört auch, dass die Inhalte auch auf Plattformen sichtbar und auffindbar bleiben müssten, die von wenigen Tech-Konzernen kontrolliert werden.
Das soll auch für die Algorithmen getriebenen Netzwerke gelten, aber auch für die Tatsache, dass redaktionelle Inhalte zunehmend in intransparente KI-Antworten einfließen, ohne dass der Ursprung klar ist oder die Urheber etwas davon hätten. „Monopolartige Gatekeeper-Strukturen entscheiden zunehmend darüber, was die Menschen im Netz sehen und welche Informationen sie erreichen. Die Freiheit und die Vielfalt der Medien sind in Gefahr, wenn ihre Sichtbarkeit und der Ursprung der redaktionellen Inhalte in intransparenten KI-Antworten verschwinden. Daher braucht es jetzt entsprechendes politisches und regulatorisches Handeln„, heißt es in dem gemeinsamen Appell.
Florian Hager, Intendant des Hessischen Rundfunks und ARD-Vorsitzender, sagte: „Das deutsche Mediensystem ist eines der stabilsten der Welt – noch. Wir müssen alles daransetzen, dass das so bleibt. Das geht nur gemeinsam, im engen Schulterschluss zwischen privaten und öffentlichen Medien. Wir erleben gerade eine Erschütterung gewachsener medialer Strukturen: Demokratien werden weltweit politisch angegriffen, KI-Agenten torpedieren Ausgewogenheit, Tech-Konzerne bestimmen in ihren Monopolen den Blick der Menschen auf die Welt. Wir fordern deshalb eine klare Regulierung als Schutz vor Desinformation und eine Stärkung unserer digitalen und publizistischen Souveränität.„
Der Vorstandsvorsitzende des BDZV und Sprecher von „Bündnis Zukunft Presse“, Matthias Ditzen-Blanke sagte: „BDZV, MVFP und ARD appellieren an die Politik, den gesellschaftlichen und demokratischen Wert von publizistischen Medien aktiv zu schützen. Die wachsende Macht globaler Plattformen und die Manipulationsrisiken durch intransparente Algorithmen und KI-Systeme stellen Demokratien weltweit vor neue Herausforderungen. Medienfreiheit und -vielfalt sind keine Selbstverständlichkeit mehr. Daher wollen wir gemeinsam mit allen Akteuren und Beteiligten daran arbeiten, wie wir diese Errungenschaft auch in einer plattform- und KI-geprägten Welt erhalten und befördern können.„
Phillipp Welte, Der Vorstandsvorsitzende der MVFP, Vorstand bei Hubert Burda Media und Sprecher von „Bündnis Zukunft Presse“, sagte: „Freie Presse und Rundfunk stehen Seite an Seite im Artikel 5 des Grundgesetzes und haben einen gemeinsamen gesellschaftlichen Auftrag, der heute so wichtig ist wie nie. Wir erleben, wie das Vertrauen der Menschen in die Demokratie und ihre Institutionen erodiert und sukzessive zerstört wird durch Manipulation und Agitation in den sozialen Massenmedien. Die unheilvolle Konzentration medialer, ökonomischer und zunehmend politischer Macht in den Händen weniger Tech-Monopole gefährdet die freie Meinungsbildung und damit unsere liberale Demokratie. Wir fordern die Politik auf, ihre Verantwortung für den Erhalt der im Grundgesetz verankerten Institutionen der freien Presse und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gerecht zu werden und sich für die Vielfalt unserer Medienlandschaft und damit für das Fundament unseres demokratischen Diskurses einzusetzen.„
Quelle: DWDL



