Die deutsche Wirtschaft steht weiterhin auf der Stelle: Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, die sogenannten Wirtschaftsweisen, rechnet für 2025 nur noch mit einem Null-Wachstum. Ursprünglich war ein leichtes Plus von 0,4 Prozent erwartet worden. Auch die EU-Kommission hatte ihre Prognose bereits nach unten korrigiert.

Bei der Vorstellung des aktuellen Frühjahrsgutachtens sagte die Vorsitzende des Gremiums, Monika Schnitzer, die deutsche Wirtschaft werde in den kommenden Monaten vor allem von zwei Faktoren beeinflusst: der Zollpolitik der USA und dem geplanten nationalen Finanzpaket. Während Letzteres eine große Chance darstellen könnte, belastet insbesondere die protektionistische Handelspolitik der Vereinigten Staaten die konjunkturelle Entwicklung.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich weiter in einer ausgeprägten Schwächephase und profitiert zuletzt nur wenig vom globalen Wachstum“, heißt es in dem Gutachten. Vor allem die US-Einfuhrzölle wirken sich negativ auf den internationalen Warenhandel aus, eine schlechte Nachricht für ein exportorientiertes Land wie Deutschland. Hinzu kommt, dass die Exporte bereits seit Längerem schwächeln. Sollten neue Zölle auf deutsche Produkte erhoben werden, sei mit weiteren Rückgängen zu rechnen. „Die deutschen Exporte dürften mit den sprunghaft und unberechenbar steigenden Zöllen noch weiter zurückgehen“, warnen die Experten.

Wie sehr Deutschland vom US-Markt abhängig ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Im vergangenen Jahr wurden Waren im Wert von über 161 Milliarden Euro in die Vereinigten Staaten exportiert – das entspricht gut zehn Prozent aller deutschen Ausfuhren und markiert den höchsten Anteil seit 2002. Ein eskalierender Handelskonflikt zwischen den USA und der EU könnte zudem zu Investitionszurückhaltung bei Unternehmen führen. Die Wirtschaftsweisen fürchten, dass diese handelspolitische Unsicherheit die konjunkturelle Schwäche noch verstärken könnte.

Im Vergleich zu anderen Regionen fällt die Prognose für Deutschland besonders düster aus: Während hierzulande mit einer Stagnation gerechnet wird, soll die Wirtschaft im Euroraum um 1,1 Prozent und weltweit sogar um 2,1 Prozent wachsen. Ein spürbares Wachstum des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwarten die Experten erst wieder im Jahr 2026 – dann um voraussichtlich ein Prozent.

Quelle: ARD