Die Polizei in Nordrhein-Westfalen will als erstes Bundesland von allen Verdächtigen die Staatsangehörigkeit erfassen. Dies soll dann auch in der Kriminalstatistik mitangegeben werden.

Der „Rheinischen Post“ sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU): „Wer die Realität sehen will, muss sie auch messen. Darum müssen wir Mehrfachstaatsangehörigkeiten künftig in der Kriminalstatistik berücksichtigen.“ Weiter sagte der Innenminister: „Wenn wir nicht alle Staatsangehörigkeiten erfassen, tappen wir im Dunkeln„. Mehrere Staatsangehörigkeiten bei Tatverdächtigen könnten auch Anhaltspunkte für eine eventuelle Fluchtgefahr und für Fluchtmöglichkeiten liefern. Ein entsprechender Erlass sieht diese Änderungen rückwirkend ab dem 1. Juli vor.

Demnach wird das Bundeskriminalamt weiterhin gemäß bundeseinheitlicher Richtlinien nur eine Staatsangehörigkeit übermitteln.

Reul sagte, dass eine Auswertung ergeben habe, dass jeder sechste Tatverdächtige mit deutscher Staatsangehörigkeit im letzten Jahr eine zweite Staatsangehörigkeit besessen habe. Die häufigsten Doppelstaatsangehörigkeiten bei den deutschen Verdächtigen im Jahr 2024 in NRW waren demnach deutsch/türkisch (10.307), deutsch/polnisch (6.652), deutsch/russisch (3.484), deutsch/marokkanisch (3.125) und deutsch/syrisch (2.185).

Bisher war es so, dass deutsche Verdächtige, die etwa einen türkischen oder griechischen Pass hatten, nur als deutsche Tatverdächtige geführt wurden.

Quelle: SPIEGEL