Nach einer langen Marathonsitzung gestern (11.06.) hat der ORF-Stiftungsrat einen neuen Chef für den Österreichischen Rundfunk (ORF) gefunden. Der langjährige Chef der österreichischen Nachrichtenagentur APA, Clemens Pig, wird neuer ORF-Chef.
Die Amtszeit des neuen Chefs des ORF geht bis 2031 und beginnt am 1. Januar 2027.
Schon vor Wochen wurde in den österreichischen Medien darüber berichtet, dass sich die Regierung, allen voran die ÖVP und SPÖ, auf Pig als Kandidaten geeinigt hatte. Dennoch gab es mehrere Bewerber. So hatten sich auch neben Pig auch der ehemalige ProSiebenSat.1-Manager Markus Breitenecker, Ex-HBO-Max-Chef Johannes Larcher und auch welche vom ORF, wie Lisa Trotzauer, beworben.
Nach der Wahl sagte der neue ORF-Chef Pig: „Für den ORF bricht ein neuer Morgen an.“ Er werde schon „morgen“ in enger Abstimmung mit der noch amtierenden Interims-Generaldirektorin Ingrid Thurnher die „dringenden Aufgaben“ übernehmen. Die Timeline müsse eng gefasst werden, denn die Herausforderungen seien „groß, vielfältig und gleichzeitig„, so Pig. Er nannte gestern vor allem drei große Themen, die er schnell angehen wolle: die Finanzen des Konzerns, Vertrauen und Legitimation sowie die künftige Plattform- und Digitalisierungsstrategie. Zudem will der neue ORF-Chef eine Streaming-Offensive starten, um die Plattform ORF On zu stärken, sowie generell mehr Inhalte für junge Menschen machen.
Die Sitzung des ORF-Stiftungsrats begann gestern um 10 Uhr und fand erst in der vergangenen Nacht um 1:15 Uhr ihr Ende, berichtet das Medienmagazin DWDL, das die Wahl live in einem Ticker begleitet hatte. Dass es so lange dauerte, lag auch daran, dass der Stiftungsrat bei einigen Kandidaten viele Fragen hatte, so wie unter anderem bei Clemens Pig.
Durch den Rücktritt des damaligen Generaldirektors Roland Weißmann, der mit Vorwürfen der sexuellen Belästigung begleitet wurde, hatte sich der ORF in eine schwere Krise gestürzt. Für den neuen Chef des Senders, Pig, werden die Aufgaben herausfordernd sein. Vor allem auch durch die rechtspopulistische FPÖ, die ihn als „Regierungsgeneraldirektor“ bezeichnet. Das Stiftungsratsmitglied Peter Westenthaler, der auch bei den Rechtspopulisten ist, kündigte an, die Wahl anzufechten. Die Angriffe der FPÖ sollen vor allem dazu dienen, den ORF zu destabilisieren und das Vertrauen zu zerstören. Zum Thema der wohl kommenden Anfechtung der Wahl, sagte Pig, dass er auf den Rechtsstaat vertraue. Pig muss vor allem zeigen, dass er unabhängig ist und nicht durch die Wahl als Kandidaten der Regierung belastet wird.
Quelle: DWDL
