Wegen der Debatte über die Sicherheitsmängel bei der Deutschen Bahn gibt es Kritik an den Kosten für die Imagekampagne mit Anke Engelke. Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Sebastian Fiedler, nannte es in der „Bild am Sonntag“ einen Skandal, dass der Vorstand der Bahn „so viele Millionen Euro für lustige Werbeclips“ ausgebe. Für dieses Geld hätten mindestens 100 zusätzliche Sicherheitskräfte ein Jahr lang bezahlt werden können, so Fiedler. Das Thema werde im Innen- und Verkehrsausschuss des Bundestags ein Nachspiel haben.

Es geht dabei um die Mini-Serie „Boah, Bahn!“, in der Engelke die Hauptrolle der Zugchefin Tina spielt, die mit typischen Problemen der Bahn wie Verspätungen oder defekten Kaffeemaschinen im Bordbistro kämpft.

Die Deutsche Bahn machte keine Angaben zu den Kosten für die Serie und verwies auf Anfrage der ARD darauf, dass „Informationen zu Werbeausgaben sowie zu Auftrags- bzw. Vertragsdetails unmittelbare Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse der Deutschen Bahn AG sind und nicht öffentlich kommuniziert werden.“ Das Budget bewege sich im Rahmen vergleichbarer Werbekampagnen in der Branche. Unabhängig bestätigte die Bahn der ARD, dass es in diesem Jahr keine Fortsetzung der Serie geben werde.

In der im Oktober gestarteten Webserie „Boah, Bahn!“ werden nach früheren Angaben der Deutschen Bahn in 3- bis 4-minütigen Episoden Geschichten aus dem Alltag des Zugpersonals mit einem Augenzwinkern erzählt. Die Folgen wurden auf den Social-Media-Kanälen der Bahn ausgespielt. Der Vorstand der DB für den Personenverkehr, Michael Peterson, hatte die Webseite mit Engelke zum Start seinerzeit als „humorvolle Liebeserklärung an die Mitarbeitenden“ der Bahn gelobt.

Die Gewerkschaft EVG kritisierte ebenfalls die Kampagne. Der Vorsitzende der EVG, Martin Bunkert, fragte nach Angaben der „Bild am Sonntag“ mit Blick auf die Kosten „ob nicht die Sanierung aller Pausenräume oder eine flächendeckende Ausstattung mit Bodycams die bessere Liebeserklärung gewesen wäre.

Hintergrund dieser Kritik ist der Tod eines Fahrbegleiters der Deutschen Bahn Anfang der letzten Woche. Er hatte im Regionalverkehr Fahrkarten kontrolliert und wurde dann von einem Fahrgast, der kein Ticket hatte, so schwer verletzt, dass er dann später verstarb.

Quelle: ARD