Am Tegernsee findet jedes Jahr der Ludwig-Erhard-Gipfel statt, der als „Deutschlands Meinungsführertreffen“ beworben wird. Doch wirklich nehmen über die Jahre hinweg regelmäßig hochrangige Persönlichkeiten aus der Politik und Wirtschaft als sogenannte Speaker teil. Als solche war auch für dieses Jahr die Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) angekündigt, doch nun bleibt sie dem fern. Darüber informierte sie auf Nachfrage mehrere Medien über ihre Pressestelle.
Die Teilnahme der CSU-Ministerin sei seitens ihres Ministeriums „grundsätzlich vorgesehen“ gewesen, aber die endgültige Entscheidung dazu habe jedoch noch ausgestanden. „Terminliche Überschneidungen machen eine Teilnahme am Gipfel nun leider nicht möglich„, heißt es. Die Ministerin wird auf einer Auslandsreise sein.
Damit ist dies auch eine Niederlage der Weimar Media Group, die diesen Gipfel veranstaltet Der Gründer der Weimar Media Group ist der heutige Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Der Erfolg des Events misst sich stets an Bekanntheit und Einfluss seiner Teilnehmer. Anfang der Woche hatte Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder mitgeteilt, dass er auch nicht dabei sein wird und noch anderweitig diese Veranstaltung unterstütze, „um kein Gschmäckle“ entstehen zu lassen.
In den vergangenen Monaten wurde immer wieder kritisiert, dass die Mediengruppe aus dem Zugang zu Politikern und Wirtschaftsspitzen ein Geschäftsmodell gemacht habe und die Berufung von Weimer als Staatsminister dies noch stärke. Auch Söder sprach nun von einer „Grauzone“. In den vergangenen Jahren war er noch eine Art Stargast am Tegernsee, hatte die Schirmherrschaft übernommen und Staatsempfänge im Rahmen der Veranstaltung ausrichten lassen. Söders Kabinettsmitgliedern stellte er die Teilnahme frei, aber zwei sagten schon ab.
Staatsminister Weimer betonte im Laufe dieser Kontroverse, dass das Unternehmen nur von seiner Frau Christiane Goetz-Weimer geführt werde, seitdem er in Berlin ist. Mittlerweile hat er auch seine Anteile einem Treuhändler übergeben.
Quelle: SPIEGEL



