Der Leiter des ukrainischen Präsidialamts, Andrij Jermak, ist zurückgetreten. Am Freitagmorgen (28.11.) hatten Ermittler der Antikorruptionsbehörden im Rahmen von laufenden Ermittlungen die Wohnung von Jermak durchsucht. Nun tritt er als Bürochef von Präsident Wolodymyr Selenskyj zurück, teilte Selenskyj in einer Videobotschaft mit. Heute (29.11.) werde er mit einem möglichen Nachfolger für Jermak beraten. Selenskyj unterstrich: „Ich möchte, dass es keine Gerüchte oder Spekulationen gibt.

Der Hintergrund der Durchsuchungen bei Jermak ist nicht bekannt. Oleksij Tkatschuk, ein Sprecher Jermaks, sagte, dass die Antikorruptionsbehörden dem Leiter des ukrainischen Präsidentenbüros keine Mitteilung zugestellt hätten, wonach er als Verdächtiger einer Ermittlung eingestuft wurde. In den sozialen Medien teilte Jermak selbst mit, dass er kooperieren wolle.

Jermak hat das Präsidentenbüro seit 2020 geleitet und galt bisher als der zweitmächtigste Mann in der Ukraine. Sein Abschied, den man als erzwungen sehen kann, wird von Beobachtern als ein harter Schlag für Präsident Selenskyj gesehen, dem ein langjähriger Vertrauter abhandenkommt. Jermak war auch einer der zentralen Figuren bei den laufenden Verhandlungen mit den USA um ein Ende des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Daran gab es aber auch Kritik.

Die Ukraine ist von einem Korruptionsskandal erschüttert. In den letzten Wochen sind immer wieder hochrangige Politiker und Beamte ins Visier der Korruptionsbekämpfer in der Ukraine geraten, auch im Umfeld von Wolodymyr Selenskyj. Das Antikorruptionsbüro hatte kürzlich erst ein „kriminelles System“ aufgedeckt, das nach eigenen Angaben zur Veruntreuung von 100 Millionen Dollar (etwa 86 Millionen Euro) in der Ukraine geführt habe.

Im Mittelpunkt dieses Skandals steht ein enger Freund und früherer Geschäftspartner von Selenskyj, Timur Minditsch.

Quelle: ARD