Der italienische Konzern Media for Europe (MFE) hat nach seinem groĂźen Aktienkauf die Kontrolle ĂĽber den deutschen Medienkonzern ProSiebenSat.1 erlangt. Man habe die 75-Prozent-Schwelle der Anteile an der ProSiebenSat.1 Media SE ĂĽberschritten, heiĂźt es von MFE.

Die Holding der Familie des verstorbenen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi ist in Italien und auch in Spanien aktiv. Mit ProSiebenSat.1 will man eine europäische Rundfunk- und Mediengruppe aufbauen. Die Italiener haben seit 2019 beim deutschen Medienkonzern, der die Sender ProSieben, Sat.1 und kabel eins betreibt, ihren Anteil immer wieder ausgeweitet und wollen die Bayern in ihre Zukunftspläne einbauen, um den Streaming-Riesen aus den USA Paroli bieten zu können.

Kulturstaatsminister Wolfgang Weimer hatte während der Übernahmebemühungen von MFE gemahnt, dass kein Eingriff in die redaktionelle Unabhängigkeit der Medienangebote vorgenommen werden dürfe. In dieser Woche hatte sich Weimer mit MFE-Chef Pier Silvio Berlusconi getroffen. Über viele Jahre hatte Berlusconi, der 2023 verstarb, seinen Medienkonzern, der früher Mediaset hieß, dazu genutzt, um seine politische Karriere und die von ihm populistische Partei Forza Italia zu fördern. Die Kinder von Berlusconi sind nicht in die Politik eingestiegen, stehen aber der Partei nach wie vor nahe.

MFE will bei ProSiebenSat.1 vor allem ein lokales Angebot mit heimischer Produktion anbieten. Vor allem im Bereich der Nachrichten, Unterhaltungssendungen und Serien soll es geben. Mittelfristig sollen auch weniger Formate zugekauft werden. Mit der Mehrheit von mehr als 50 Prozent können die Italiener die Umsätze und Gewinne von ProSiebenSat.1 voll in die eigene Bilanz aufnehmen.

Mit der Dreiviertel-Mehrheit von 75 Prozent ist sogar ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag möglich, der Zugriff auf die Finanzmittel ermöglicht. MFE kann nun ohnehin künftig einfach am Markt zukaufen. Die restlichen Anteile von ProSiebenSat.1 sind im Streubesitz und liegen meist bei Fondsgesellschaften und privaten Anlegern.

Quelle: ZDF, dpa, Reuters